Tour de Planet - move for climate

Corona und Klimakrise – wo ist der Zusammenhang?

Seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts mehrt sich die Ausbreitung unbekannter Erreger.

Mit HIV, Ebola, Nipah, dem Marburg- und dem Zikavirus kommen schließlich in den späteren Jahrzehnten Erreger ins Spiel, die sich rasant, tödlich und pandemisch verbreiten. Ins Spiel kommt nun auch eine Anzahl neuer Coronaviren. Die Hinweise häufen sich, dass Pandemien im Zusammenhang mit der Klimakrise stehen könnten. 

Wo aber genau ist der Zusammenhang?

Erforscht wurde bislang, dass die Mehrzahl dieser Erreger tierischen Ursprungs sind – einige stammen von Haustieren, andere jedoch - und sie stellen mit 2/3 der Fälle die Mehrheit dar - stammen von Wildtieren.

Wie wir jetzt auch vielen Medienberichten entnehmen können werden hauptsächlich die Wildtiere als Verursacher der schweren Krankheiten, die uns Menschen seit geraumer Zeit heimsuchen, gesehen. Diese Wildtiere können jedoch nichts dafür, dass wir selbst es sind, die sich in die Nähe der Mikroben gebracht haben, die sie mit sich tragen - denn normalerweise leben diese Wildtiere weit entfernt von unseren Wohnorten und Übertragungen sind daher sehr selten.

Es gibt jedoch noch andere Faktoren.

Einer davon ist Abholzung von Wäldern. Denn durch die massive Zerstörung ihrer Habitate, den Waldgebieten, in denen jene Tiere beheimatet sind, und der Ausdehnung unserer urbanen Zentren sind Mensch und Wildtiere in einen bis dahin ungewohnt engen Kontakt gekommen.

Wir lesen immer wieder davon, dass unter anderem Fledermäuse Überträger dieser neuen und lebensbedrohlichen Viren sind. Im Fall von Ebola haben Wissenschaftler inzwischen bewiesen, dass das Abholzen von Wäldern, der Lebensräume dieser Fledermausarten, kurze Zeit vor dem ersten Ausbruch der Ebola-Epidemie dazu geführt hat, dass dieses Virus von der Fledermaus auf den Menschen übertragen wurde.

Wie ist das genau geschehen?

Die Fledermäuse, nach der Abholzung auf der Suche nach neuen Lebensräumen, besiedelten vermehrt die Farmen und die Nutzgärten der Menschen und brachten so die Menschen in den Kontakt mit jenen Viren, die zum Ausbruch der tödlichen Ebola-Epidemie führten. Ausscheidungen der Fledermäuse, wie Speichel oder Kot auf Lebensmitteln oder der Kontakt mit toten Tieren führten zur Übertragung der neuartigen und hochansteckenden Viren.

Der Schwund Waldgebieten durch Abholzung verändert ganze Ökosysteme.

Tiere, die bislang im Inneren der Wälder gelebt haben, müssen andere Orte finden, um zu überleben. Oft verändert sich dadurch auch die Anzahl der Tiere, die nun auf weniger Platz zusammenleben müssen. Dies führt zur schnelleren Übertragung von Krankheitserregern untereinander.

Fressfeinde verschwinden in einem gestörten Ökosystem und die einhergehenden Erosionen von Land führen ebenfalls zur gravierenden Veränderungen, zum Aussterben gewisser Tierarten und zum Schwund von Pflanzen, die ebenfalls eine große Rolle in diesem Gleichgewicht spielen.

All diese Veränderungen tragen zum Klimawandel bei.

Kühlende Wälder und Bäume, die das CO2 in Sauerstoff umwandeln, fehlen mehr und mehr. In der Folge nimmt die Erderwärmung in schwindelerregendem Ausmaß zu und bereitet zusätzlich den Weg zur Ausbreitung bedrohlicher Viren.

In Europa können wir anhand der Ausbreitung der Zecke beobachten, wie der Klimawandel, die Einengung von Lebensräumen und der damit einhergehende Artenschwund, dazu beiträgt, dass sich bestimmte Tiere und ihre Erreger wesentlich vermehren und ausbreiten. Bestimmte Zecken kamen in Mittel- und Nordeuropa wegen der niedrigen Temperaturen nicht vor und die vorhandenen Arten fand man beispielsweise vielfach auf Vögeln und Schafen. Durch die gravierenden Veränderungen der Lebensräume, dem Fehlen von Vögeln, Igeln und anderen Wirtstieren der Zecke ist inzwischen der Mensch zum Wirtstier der Zecke und damit zum Opfer der Viren geworden, die diese in sich tragen (Borreliose, FSME). Auch wandert aufgrund der Erderwärmung bereits eine neue Zeckenart aus den Subtropen bis nach Nordeuropa, die wiederum neue und unbekannte Viren mitbringt.

Ein weitere Gefahr zur Entwicklung und Übertragung von Viren auf den Menschen ist die industrielle Massentierhaltung.

Nicht nur werden für die Massentierhaltung ganze Urwälder gerodet, und Mensch und Tier aus ihrer Heimat verdrängt. Das enge Zusammenleben von Nutztieren und die Massen ihrer Ausscheidungen sind zudem eine ideale Brutstätte für Erreger aller Art. Die Übertragung von Krankheiten durch Nutztiere auf den Menschen ist schon lange hinlänglich bekannt: wir wissen, dass Masern von Kühen übertragen wurde und Keuchhusten von den Schweinen stammt. Forschungen belegen, dass diese Art von „Kontaktkrankheiten“ seit dem Neolithikum nachweisbar sind – sie haben jedoch in unserer Zeit durch die oben genannten Zusammenhänge gigantische Ausmaße angenommen.

Die Zerstörung unserer Landschaften, die Abholzungen, wie sie im großen Stil gerade in Brasilien und in Kanada stattfinden, in Afrika, in China und anderswo, unser Hunger nach Fleisch, die ungehemmte Industrialisierung, die damit verbundene Erderwärmung - all das hat direkt mit der Ausbreitung tödlicher Viren zu tun.

Wir können erheblich dazu beitragen, um diese Situation zum Positiven zu ändern.

Wir können die Lebensräume der Wildtiere schützen, in dem wir uns dafür einsetzen, dass diese nicht weiter schrumpfen. Wir können uns gegen Massentierhaltung einsetzen.Nur so können wir verhindern, dass sich Mikroben durch Tiere auf uns übertragen. Wir können uns gegen den Abbau von Ölsand und Fracking einsetzen, gegen die Abholzung von Urwäldern, für den Erhalt der Regenwälder, für eine Minimierung unseres Fußabdruckes und für eine Energiegewinnung, die ohne Schadstoffausstoß auskommt. 

Wir können sehr viel dafür tun, dass unsere Erde ein lebenswerter Planet für uns alle bleibt!